Durch die vierte Wand
Prof. Dr. Thorsten Logge über Performativität und Gemeinschaft im Geschichtemachen
Prof. Dr. Thorsten Logge über Performativität und Gemeinschaft im Geschichtemachen
Teilnahme frei

Prof. Dr. Thorsten Logge, Foto: F. Zollweg
Im Rahmen der Ausstellung Temper von Yalda Afsah spricht der Public Historian Prof. Dr. Thorsten Logge (Universität Hamburg) über Geschichtemachen als gemeinschaftliche Praxis. Ausgehend vom Konzept der „vierten Wand“ richtet der Vortrag den Blick auf die Beziehung zwischen Beteiligten und Betrachtenden und fragt, wie Geschichte und Bedeutung im Moment der Begegnung in der Aufführung entstehen.
Yalda Afsahs filmische Arbeiten versammeln Rituale, performative Handlungen und kollektive Praktiken, ohne eindeutige Erzählungen vorzugeben. Stattdessen eröffnen sie Erfahrungsräume, die im Zusammenspiel von Inszenierung, Wahrnehmung und Interpretation entstehen. Logge untersucht dies als Form subjektiver Sinnstiftung – und damit auch des Geschichtemachens: Jede Betrachtung ist untrennbar mit den eigenen Erfahrungen, Erinnerungen und Wissensbeständen verbunden.
Anhand der in der Ausstellung gezeigten Arbeiten JARRAMPLAS, PAN und HEAT zeichnet der Vortrag Verbindungen zwischen den unterschiedlichen performativen Situationen nach und untersucht, wie Gemeinschaft durch Erzählen, Wiederholung und Aufführung entsteht. Im Mittelpunkt stehen dabei auch jene Leerstellen, Gesten und Symbole, die sich einer eindeutigen Lesart entziehen und ihre Bedeutung erst im Austausch zwischen Werk und Publikum entfalten. Der Vortrag versteht die Ausstellung als einen Ort, an dem ästhetische Erfahrung und historische Sinnproduktion zusammenkommen – als einen Raum, in dem Geschichte nicht abgeschlossen vermittelt, sondern immer wieder neu ausgehandelt wird.