Making Kin

Melanie Bonajo, Madison Bycroft,
Anne Duk Hee Jordan

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Making Kin
Melanie Bonajo, Madison Bycroft, Anne Duk Hee Jordan
3. Juli – 6. September 2020

Ausstellungsbroschüre zum Download hier.

Meet the artist: Anne Duk Hee Jordan über ihre Arbeiten für die Ausstellung „Making Kin“ (In Englisch)


Der akute Klimawandel und die damit verbundenen drastischen Prognosen zur Umweltveränderung beschäftigen aktuell nicht nur Politik und Wirtschaft, weltumspannend mobilisieren sie eine junge Generation zum radikalen Aktionismus für schnelle Klimaschutz-Maßnahmen. Der Mensch greift so massiv in die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse ein, dass die Auswirkungen ein komplettes Erdzeitalter prägen. Folglich befinden wir uns in einer ökologischen Krise, deren Ende nicht voraussehbar ist. Wir erleben eine irreversible Mutation des globalen Klimas, welche die Bewohnbarkeit unseres Planeten gefährdet und durch die Zerstörung von Lebensräumen ein weltweites Artensterben zu verantworten hat.

Insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemie ist es notwendig „unruhig zu bleiben“* und sich mit Verwandschaftssystemen unterschiedlicher Spezies auseinanderzusetzen. Die Ausstellung Making Kin im Kunsthaus Hamburg versammelt drei Künstlerinnen mit einer weitreichenden kunst- und kulturpolitischen Agenda und fragt: Wie wollen wir in Zukunft leben? Wie kann die Vielfalt der Existenzen und ihrer Lebensweisen miteinander in Beziehung treten und welche neuen symbiotischen Verhältnisse entstehen daraus?

In der Verbindung unterschiedlicher Medien wie Video, Installation, Performance und Malerei widmen sich Melanie Bonajo, Madison Bycroft und Anne Duk Hee Jordan den gegenwärtigen ökologischen Herausforderungen und untersuchen den Zusammenhang zwischen Ökosystemen und dem menschlichen Einfluss. Sie erforschen Gemeinschaftskonzepte, die nicht die Menschheit zum Mittelpunkt erheben, sondern die Gleichwertigkeit innerhalb der Artenvielfalt betonen.

Der titelgebende Ausspruch „Making Kin“ (Macht euch verwandt) ist eine Maxime der Wissenschaftsphilosophin und Cyborg-Feminismus-Pionierin Donna Haraway, die zur artenübergreifenden Symbiose auffordert. In ihren Texten wimmelt es von Lebewesen unterschiedlichster Arten. Um für kommende Generationen eine Zukunft zu ermöglichen, müssen wir uns als sterbliche „Kritter“** mit unzähligen Konfigurationen aus Orten, Zeiten, Materien und Bedeutungen verflechten, damit aus dem planetenzerstörenden Homo sapiens neues Leben „kompostiert“ werden kann.

Die Künstlerinnen hinterfragen gesetzte Begriffe wie Natur, Kultur und Technik und ihre jeweiligen Trennlinien. Dabei interessieren sie sich für das hybride Netzwerk zwischen dem Menschen und seiner Umwelt. Humorvoll und spielerisch entwerfen sie experimentelle und zukunftsorientierte Szenarien, die unsere gewohnten Lebensweisen in Frage stellen und neue Modelle von Gemeinsamkeit erlebbar machen. Für die Ausstellung sind neue Arbeiten entstanden, die zum Nachdenken über ein übergreifendes ökologisches Prinzip der Verbundenheit anregen.

* Haraway, Donna: Unruhig bleiben. Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän, 2018
** im amerikanischen für „alles mögliche Getier“ verwendeter Begriff; von Haraway geprägt und verwendet für Mikroben, Pflanzen, Tiere, Menschen, Nicht-Menschen und manchmal auch für Maschinen.

Kuratiert von Anna Nowak


Melanie Bonajo (*1978 in Heerlen, Niederlande) lebt und arbeitet in Amsterdam und New York. Sie studierte an der Gerrit Rietveld Akademie, Amsterdam und war sowohl Teil des Residenzprogramms „Rijksakademie voor Beeldende Kunst“ in Amsterdam (2009-10) als auch des „ISCP“ in New York (2014). Melanie Bonajo repräsentiert den niederländischen Pavilion auf der 59. Venedig Biennale 2022.

Aktuelle und vergangene Einzel- und Gruppenausstellungen umfassen u.a.: Stedelijk Museum Amsterdam, Amsterdam (2019/20); Pori Museum (2019); Palais de Tokyo, Paris (2019); Guangzhou Triennial (2018/19); Kunsthalle Lingen (2019); Design Museum Gent (2019); Museum de Fundatie, Zwolle (2018/19); Museum Marta Herford (2018); Haus der Kunst, München (2018), Manifesta 12, Palermo (2018), Riga International Biennial of Contemporary Art (2018).

Madison Bycroft (*1987 in Adelaide/Kaurna Yarta, Australien) lebt und arbeitet in Marseille und Adelaide. Sie graduierte am Piet Zwart Institute in Rotterdam (MFA Programm) und ist Mitgründerin der Moderationsplattform GHOST.

Aktuelle und vergangene Einzel- und Gruppenausstellungen umfassen u.a.: “Feedback Loops”, Australian Centre for Contemporary Art, Melbourne (2020); „Futur, Ancien, Fugitif”, Palais de Tokyo, Paris (2020); „Okto-lab”, Universität Tasmania, Hobart (2020); Future Generation Art Prize, Pinchuk Art Centre, Kiev – Ausstellung für die 58. Venedig Biennale (2019); „À Cris Ouverts”, Rennes Biennale, Les Atelier de Rennes (2018) „Almende”, Second Triennale of Beetsterzwag (2018).

Anne Duk Hee Jordan (*1978 in Korea) lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte an der Kunstakademie Weißensee, Berlin und absolvierte anschließend einen Master in Bildender Kunst am Institut für Raumexperimente, Berlin bei dem Künstler Olafur Eliasson. Kürzlich wurde Anne Duk Hee Jordan für den Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen 2020 nominiert.

Aktuelle und vergangene Einzel- und Gruppenausstellungen sowie Performances umfassen u.a.: „A Handful of Dust“ mit Viron Erol Vert, Ehrenhalle Neukölln, Berlin (2020); „Into the Wild“, Festival „Unter Beobachtung. Kunst des Rückzugs“, in Zusammenarbeit mit Dr. Hauschka / Wala, KulturRegion Stuttgart (2020); „Forces Times Distance – On Labour and its Sonic Ecologies“, Sonsbeek, Niederlande (2020); „Ziggy goes Wild“, Kunstverein Arnsberg (2019); „Staying with the Trouble“ von Donna Haraway, Zitadelle Spandau (2019); „Ziggy on the Land of Drunken Trees“, Galerie Wedding, Berlin (2018); Triennale, Ostende, Belgien (2018); Internationale Biennale für zeitgenössische Kunst in Riga (2018).


BEGLEITPROGRAMM

Ausstellungsrundgänge mit der Kuratorin (Bitte anmelden unter presse@kunsthaushamburg.de oder kurzfristig an der Kasse)
Sonntag, 26.07.2020, 15 Uhr
Donnerstag, 06.08.2020, 18 Uhr
Freitag, 04.09.2020, 16 Uhr

Kurzführungen (Bitte anmelden unter presse@kunsthaushamburg.de oder kurzfristig an der Kasse)
jeden Donnerstag, 16 Uhr (außer am 6. August 2020)

Artist Talk mit Melanie Bonajo 
Donnerstag, 3. September 2020, 18 Uhr


Mit freundlicher Unterstützung von: Mondriaan Fond | ZEIT-StiftungBotschaft des Königreichs der Niederlande

Foto 1: Melanie Bonajo, Night Soil - Fake Paradise, Filmstill, 2014, full HD one-channel, 33.9 min, Courtesy: the artist & AKINCI
Foto 2: Madison Bycroft, There there, there now, 2020, digitale Collage
Foto 3: Anne Duk Hee Jordan, From the deep sea archive: piranhas are not so deep, 2017
Foto 4: Making Kin, Installationsansicht, Kunsthaus Hamburg 2020, Foto: Hayo Heye
Foto 5: Making Kin, Installationsansicht, Kunsthaus Hamburg 2020, Detail: Melanie Bonajo, Night Soil - Fake Paradise, Filmstill, 2014, full HD one-channel, 33.9 min, Courtesy: the artist & AKINCI, Foto: Hayo Heye
Foto 6: Making Kin, Installationsansicht, Kunsthaus Hamburg 2020, Foto: Hayo Heye
Foto 7: Making Kin, Installationsansicht, Kunsthaus Hamburg 2020, Foto: Hayo Heye
Foto 8: Making Kin, Installationsansicht, Kunsthaus Hamburg 2020, Detail: Madison Bycroft, Babuineries, 2019, Foto: Hayo Heye
Foto 9: Making Kin, Installationsansicht, Kunsthaus Hamburg 2020, Foto: Hayo Heye
Foto 10: Making Kin, Installationsansicht, Kunsthaus Hamburg 2020, Detail: Anne Duk Hee Jordan, Foto: Hayo Heye