
Foto: Sanna Leone
Stille Post –
Sanna Leone
7.5.–2.8.2026
Kunsthaus-Foyer
In ihrer Installation it takes a village to dump a chair geht Sanna Leone der Frage nach, welche Verantwortung wir für unsere physischen Hinterlassenschaften tragen und untersucht die Zuschreibung von Wert und Nutzen. Dabei bezieht sie sich auf das Genre des Vanitas-Stilllebens, ein Bildtyp, der durch die Darstellung symbolischer Gegenstände auf die Vergänglichkeit der menschlichen Existenz verweist. Für die Arbeit verwendet sie übriggebliebene, größtenteils aus Haushaltsauflösungen stammende Flohmarktware. Es sind Objekte, die auf dem Trödel an der Bahrenfelder Trabrennbahn vergessen, verloren oder zurückgelassen wurden.
Die in der Installation versammelten Dinge hat die Künstlerin zu zwei verschiedenen Zeitpunkten nach dem Ende des Marktes aufgelesen: die einen, bevor der Müllservice den Platz räumt; die anderen sind selbst durch dieses Raster gefallen. Zwischen Kies eingetreten oder in Laubhaufen verstreut, sind sie Teil der Umgebung und damit unsichtbar geworden. Besonders zahlreich sind Gegenstände vertreten, deren Bedeutung nur aufgrund einer persönlichen oder emotionalen Aufladung entsteht und weniger aus ihrem tatsächlichen materiellen Wert oder praktischen Nutzen. Neben Hygieneartikeln oder ausgemusterten Schriftstücken sind dies vor allem Deko- und Schmuckobjekte. Die Sammlung der Künstlerin lässt vergangene Lebensrealitäten erahnen, die auf dem Parkplatz aufeinandertreffen.
Mit dem Tod wird der Wert persönlicher Habseligkeiten neu verhandelt: Die Person, die ihnen primär Bedeutung verlieh, ist nicht mehr am Leben. Der Eigensinn und die plötzliche Bedeutungslosigkeit der Objekte treffen auf kapitalistisch und ideologisch geprägte Bewertungsmaßstäbe. Doch die Hinterlassenschaften bestehen trotz dieser Prozesse fort: Auf Fensterbänken, unter geparkten Autos oder in Müllkippen verharren sie in einem Zustand des Dazwischen.
Im Rahmen des experimentellen und kommunikativen Ausstellungsformats Stille Post werden die Rollen und Funktionen des Gastgebens und Zu-Gast-Seins fluide: In Anlehnung an das titelgebende Kinderspiel wählen die ausstellenden Künstler*innen die jeweils folgende Person selbst aus. Mit dem Projekt überträgt das Kunsthaus seit April 2024 einen Teil der kuratorischen Verantwortung an die Kunstschaffenden selbst, um so alternative institutionelle Zugänge zu ermöglichen und lokal situierte Netzwerkstrukturen inhaltlicher und persönlicher Art sichtbar zu machen. Bisher wurden im Rahmen von Stille Post Arbeiten von Jaewon Kim, Fritz Lehmann, Altay Tuz, Pia Pospischil, Luzia Cruz und Laurel Chokoago, Cho Ari und Carolina Lehan gezeigt.
Sanna Leone (*1995) hat 2025 ihren Master und 2022 ihren Bachelor of Fine Arts an der HFBK, Hamburg erworben. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Golden Pudel Club, Hamburg (2025), bei ZOLLO, Hamburg (2025), der Parallel Vienna, Wien (2024), der Basement Gallery, Olomoucz (2024) und im Frise Künstler*innenhaus, Hamburg (2023) gezeigt. Sie lebt und arbeitet in Hamburg.
Donnerstag, 7.5.2026, 18 Uhr
Eröffnung
im Rahmen von Panorama XXII mit Pose Dia & Ters