Gerry Bibby im Kunsthaus Hamburg

Die künstlerische Arbeit von Gerry Bibby (*1977, lebt und arbeitet in Berlin) entzieht sich einer Zuordnung in strikte Kategorien. Bestandteil seiner Skulpturen und Installationen sind auch performative Elemente und selbst verfasste Texte. Darin verwendet er Elemente der Konkreten Poesie, um den Übersetzungsprozess eines Textes in das skulpturale Medium Beton zu beschreiben. Themen wie die Rechte der LGBTQ-Community und die sozioökonomischen Bedingungen für die Entstehung von zeitgenössischen Kunstwerken, verbindet er mit einer implizierten Kapitalismuskritik.

Die im Kunsthaus Hamburg gezeigten Arbeiten sind für die Biennale in Busan 2020 entstanden. Aufgrund der Pandemie-Beschränkungen konnte Bibby selbst jedoch nicht nach Korea einreisen. Visions of Excess (2020) bezieht sich auf die gleichnamigen Schriften des französischen Schriftstellers Georges Bataille und ist eine Auseinandersetzung damit, wie man präsent ist, ohne körperlich anwesend zu sein. Den Möglichkeiten der Interaktion durch moderne Technologien wird ebenso nachgegangen, wie den Grenzen der Erfahrung des Raumes und körperlicher Nähe. Für die Biennale in Busan (2020) fertigte Bibby verschiedene Treppenelemente aus Holz an. Als diese versandbereit waren, goss Bibby die Leerstellen der Transportkiste mit einem Beton-Gemisch aus. Daraus entstanden wiederum fünf Skulpturen, die sich nun wie eingeschlagene Asteroiden durch die Ausstellungshalle im Kunsthaus Hamburg ziehen. Als Negativdrucke der Holzarbeiten visualisieren sie gleichzeitig auch das Füllmaterial des Containers. Während die Arbeiten auf dem Weg nach Busan waren, verfasste Bibby fünf Texte, die er den ihm zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Skulpturen zuschrieb. Per Videoanruf koordinierte er dann das Auspacken der Arbeiten und konnte so Teil des Geschehens sein. Distortion, Transit und Verfremdungseffekt, 2020 verweisen auf Prozesse der Kommunikation und Bewegung, sowie auf die dabei entstehenden Veränderungen, Verzerrungen und Zwischenräume. In den Texten verknüpft er biografische Anekdoten mit seinen Gedanken über Räumlichkeit und Körperlichkeit.

Für die zugehörige Sound-Performance Vision of Excess 13. In Concert, 2020 engagierte Bibby die deutsch-koreanische Künstlerin Ellen Yeon Kim, die sich als sein Körperdouble durch Busan bewegte. Per Tracking-System verfolgte Bibby ihre virtuelle Spur und verwies so auf die digitale Überwachung durch den Staat, die in Südkorea seit der Pandemie verstärkt eingesetzt wurde. Aufgenommen mit dem Smartphone entstand ein auditiver Stadtspaziergang durch die Hafenmetropole. Das Surren des Hotelaufzuges, U-Bahn-Ansagen, das Piepen an der Supermarktkasse: es sind Geräusche der Großstadt, die, lokal verankert und zugleich international verständlich, zu universellen Codes unserer Alltagstechnologien geworden sind. Eingebettet in die Audioaufnahme sind seine fünf Texte, die von ausgewählten Personen der queeren Community in Busan gelesen wurden. So wird Menschen eine Stimme gegeben, die im Zuge der Corona-Pandemie einer zunehmenden Diskriminierung ausgesetzt waren. Für die Hafenstadt Hamburg entwickelt Bibby eine Neuaufnahme dieser Sound-Performance mit lokalen Akteur*innen.

Alle Texte von Gerry Bibby gibt es als Download hier.

Ausstellungsbroschüre LO(L) – EMBODIED LANGUAGE

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Ausstellungsbroschüre
NOMINEES 2022

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„Smoke, Mirrors, and Splinters“ von Dessane Lopez Cassell

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Ausstellungsbroschüre
from creatures to creators

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Ausstellungsbroschüre
SPECIAL EFFEGGS

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Ausstellungsbroschüre
NOMINEES 2021

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Ausstellungsbroschüre
THE FUTURELESS MEMORY

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„To remember differently“ von Banu Karaca

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„Inhabiting the space between origin and destiny“ von Meltem Ahıska

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