Aktuelle Kunsteditionen

Bildunterschriften stehen unten.


Preise und Informationen zu den Editionen

Shirana Shahbazi
Rigi & some other place, 2014
Direkter Flachdruck, 2 farbig
Bildgröße: 28 x 21 cm
Blattgröße: 29 x 22 cm
Auflage: 33
€ 700,-

Die Edition Rigi & some other place (2014) von Shirana Shahbazi zeigt ein Panorama des Schweizer Bergmassivs Rigi, das sie wie durch einen düsteren Schatten mit einem weiteren, unkenntlichen Motiv überlagert. Die Künstlerin macht sich in ihrer Fotografie zwei elementare Eigenschaften zu eigen, die das fotografische Bild bis heute so faszinierend machen: sowohl die Präzision in der Wiedergabe von Wirklichkeit als auch das Festhalten des vergänglichen Augenblicks, der sich in der Reproduktion zu einer neue (Bild-)Realität wandelt. Die Künstlerin erstellt Beobachtungen von erhabener, teils romantischer, teils gezähmter Natur, genauso wie von urbanen Stadträumen oder vergessenen Nebenschauplätzen und flüchtigen Momenten. Dafür komponiert sie abstrakte Bildräume, die einerseits von intensiver Farbe und anderseits durch harte Schwarz-Weiß-Kontraste gekennzeichnet sind.

Neben der Edition ist auch Shirana Shahbazis neuer Katalog New Good Luck im Kunsthaus Shop erhältlich. Dieser zeigt eine Reihe neuer Fotoarbeiten, die während ihres dreimonatigen Aufenthaltes in Indien entstanden.

Jenny Schäfer
The unknown, 2019
Auflage: 50 + 5 AP
Mixed Media: Foto im Acrylblock,
Gipsobjekt & „Leckmuschel“
10 cm x 15 cm
€ 160

Diese Edition bieten wir in Kooperation mit Leikela – Fine Art Online an.

Die unbegreifliche und geheimnisvolle Natur des Ozeans hat im Laufe der Geschichte eine Vielzahl von Bildern und Legenden inspiriert. Vor allem die Meeresoberfläche ist eines der häufigsten Themen in der Kunst: Heimat temperamentvoller Naturkräfte und fantastischer Fabelwesen, Inbegriff des Erhabenen und der Hingabe des Menschen an die Schöpfung Gottes, Schauplatz der bildnerischen Reflexion über das Wesen von Wahrnehmung und Darstellung. Der Ozean wurde mit einer Vielzahl von künstlerischen und wissenschaftlichen Mitteln erforscht, letztendlich aber bleibt er unergründlich und wird so zu einer Oberfläche, auf die wir unsere eigenen Ideen und Vorstellungen projizieren. Das 19. Jahrhundert brachte nicht nur die Evolutionstheorie hervor, sondern auch eine neue Dimension der Zeit, die so genannte „Deep Time“. Tatsächlich ist es nicht verwunderlich, dass die „Deep Time“ recht schnell in der Tiefsee verortet worden ist: Hier muss alles vor Millionen von Jahren begonnen haben, der Ursprung des Lebens muss auf dem unbekannten Meeresboden liegen.

Analog sind die Dimensionen von Zeit und Meer in Jenny Schäfers Multiple The Unknown ineinander verwoben. Diese postapokalyptische Anordnung vereint eine Handvoll Elemente: ein Bild von etwas, das dem Ozean ähnelt, aber anscheinend anderen physikalischen Gesetzmäßigkeiten gehorcht, in verwirrende Richtungen fließt und einen bizarren Horizont bildet, der in einen unbekannten Himmel übergeht. Die Überreste einer unbekannten marinen Lebensform – möglicherweise eines jener „lebenden Fossilien“, von denen die Menschen des 19. Jahrhunderts so fasziniert waren? Eine Plastikschale, gefüllt mit dem süßen Geschmack von Kindheitserinnerungen. Die Objekte sind auf einem Stück glänzendem Stoff platziert, dass Assoziationen mit einem Samtkissen weckt auf dem wertvolle Gegenstände zur Schau gestellt werden. Schäfers Dinge erscheinen nicht wertvoll im monetären Sinne, werden aber sicherlich wertgeschätzt. Anhand der ausgestellten Dinge entspinnt sich ein Geflecht von Assoziationen, das durch die Störung des zunächst Vertrauten – wie dem Thema eines Sonnenuntergangs am Meer – das unheimliche Gefühl eines Déjà vu, einer Erinnerung an eine unbekannte Zukunft hervorruft. Die Illusion einer linearen Zeit, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hintereinander reiht, materialisiert sich in Schäfers Werk und wird allzu greifbar.

Text von Magda Grüner

Laura Franzmann
Tissue Dako, 2019
Auflage: 20
Aquarell auf japanischem Washi-Papier und Bambus
39 x 27 cm
€ 250

Diese Edition bieten wir in Kooperation mit Leikela – Fine Art Online an.

Tissue Dako, mit seinem Bambusrahmen und weißen Schnüren für zusätzliche Spannung, ist ein japanischer Drachen, der eine Variante des traditionellen Drachentyps Kaku Dako ist. Ein handbemaltes Motiv auf Washi-Papier bildet die Drachenhaut, die so modelliert ist, dass sie eine Gegenüberstellung verschiedener Einflüsse ermöglicht. Das gemalte Motiv erinnert an die Form eines Gesichts, abstrahiert und verfälscht. Für Laura muss das menschliche Gesicht auf seine strukturellen Bestandteile reduziert werden, um es in einer rein ornamentalen Form zu verwenden. Sie arbeitet nicht nur mit UV-Karten, die im Rahmen der Modellierung einer 3D-Humanfigur entwickelt wurden, sondern auch mit anderen schematischen Plänen der menschlichen Gesichts-, Muskel- und Knochenstruktur, die direkt unter unserer Haut verborgen sind. Das Bild erinnert auch an Abdrücke von Gesichtern auf Papier, was eine abstraktere, aber direktere Form des Selbstbildnisses ist. So wie Gesichter in ihren verschiedenen Formen von Muskeln oder einem Programm animiert werden müssen, um sich zu bewegen und von anderen gelesen zu werden, wird der Drachen durch die Luft animiert und auch sein Gesicht beginnt sich zu bewegen. Die Drachenhaut selbst löst die Idee der Haut als eine Barriere auf, die das äußere Erscheinungsbild von ihren fleischigen Bestandteilen trennt oder den menschlichen Körper von den metaphysischen Konzepten trennt. Was du siehst, ist das, was du bekommst.

Text von Marija Petrovic

Franziska Opel
Working Man, 2018
Auflage: 7
Harzbeschichtete Nyloprintplatte
42,5 x 25,5 cm
€ 650

Diese Edition bieten wir in Kooperation mit Leikela – Fine Art Online an.

Die Edition Working Man entstammt der seit 2015 entstehenden Serie Wappen/Waffen – Embleme, die unterschiedliche Faltungen von Hosenträgern zeigen. Franziska Opel verwendet Hosenträger als einen ikonischen Modeartikel, dessen symbolische Verknüpfung mit männlicher Machtausübung seine ursprüngliche Verwendung als praktisches Kleidungsstück vollkommen überlagert hat – vom seinem Potential Zusammenhalt innerhalb der Arbeiterklasse zu demonstrieren hin zur formellen Arbeitskleidung einer globalen Finanzelite. Indem sie diese Ideen untersucht, transformiert Franziska die Funktion der Hosenträger und schöpft deren Potential in der Gestaltung variabler grafisch-linearer Verhältnisse aus. Unterschiedliche Formen bilden eine ganze Bandbreite an Bedeutungen ab. Ein Nyloprint, der normalerweise als Vorlage für den Buchdruck verwendet wird, erscheint edles Abzeichen. Die Darstellung dieser grafischen Erkundungen als dreidimensionale, mechanisch bearbeitete Drucke gibt der ikonischen, strukturellen Sprache eine taktile Form zurück.
Dieser Akt der Setzung führt zurück auf einen Begriff konkreter Materialität und leugnet gleichzeitig die tatsächliche Funktionalität der Hosenträger. Dergestalt kommt ihrem Fetisch- und Symbolcharakter wieder größere Aufmerksamkeit zu.

Text von David Fletcher

Yorgos Sapountzis
In The Moment You Fall Asleep, 2019
Gefaltetes Poster, Risographien, Klebestreifen
84 x 148 cm
Auflage 400
€ 26
Editor/Design: Yorgos Sapountzis and Katja Gretzinger

Die Publikation In The Moment You Fall Asleep (2019) von Yorgos Sapountzis hat keine fertige Form, sie wird jeweils individuell aus Einzelnen Komponenten selbst gestaltet zum Kunstposter. Wie man kurz vor dem Einschlafen das Erlebte des vergangenen Tages verarbeitet, verschiedene Eindrücke sortiert, neue und oft auch überraschende Beziehungen herstellt und Erinnerungswertes gegen das Vergessen aufwiegt, so lässt Sapountzis Raum für das Spiel mit den Einzelteilen der Edition: Möglich ist das assoziative Komponieren einer Ordnung zwischen einer Zucchini, Spaghetti und Stoffen, aber auch das Weglassen einzelner Utensilien. Entscheidend ist die rein spielerische Versuchsanordnung, die ganz Neues entstehen lässt.

Anna Lena Grau
Tintenfisch, 2019
Tinte auf Papier
3 Unikate
je € 1.400,-

Die Hamburger Künstlerin Anna Lena Grau (*1980, DE) untersucht in ihren skulpturalen und installativen Arbeiten die Veränderlichkeit von Form und Werkstoffen. Dabei spielt das Verhältnis von Ergebnis und Arbeitsprozess eine wesentliche Rolle in ihrem künstlerischen Werk. Die Beobachtung des eigenen Schaffensprozesses, verbunden mit einem stetigen, reflexiven Innehalten, ist ein wichtiger Teil ihrer künstlerischen Praxis. Der Bildhauerin gelingt es, die unterschiedlichen Zustände und Phasen, die ein Werk im Atelier durchläuft, in ihren künstlerischen Arbeiten in ein spannungsreiches und zeitgleich harmonisches Verhältnis zu bringen.
Aus einer Kombination von forschend-künstlerischem Interesse an wissenschaftlichen und philosophischen Fragestellungen resultieren Werke mit einer überraschenden Material- und Formensprache. Sie arbeitet experimentell mit den Eigenarten traditioneller Techniken, wie der klassischen Abformtechnik und Materialien wie Ton, Gips, Silikon, Wachs oder auch Bronze.
Suse Bauer

Landschaft unter Aufsicht (Fedora), 2017
Fine Art Print
50 x 70 cm
Auflage 10 + 1 AP, mit Zertifikat
€ 500,-

Die Künstlerin Suse Bauer (*1979, DE) beschäftigt sich mit der Frage, wie die Kunst als Mittlerin zum Skizzieren von Utopien eingesetzt wird und als Scharnier zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit agiert. Bauers Kompositionen entstehen auf Flächen, die von oben, aus der Aufsicht, wie archäologische Felder oder Landkarten angelegt sind. Die Weltsicht aus der vertikalen Perspektive gewinnt heute an Bedeutung etwa durch die Erschließung des Weltraums mit Satelliten oder durch den Einsatz von Drohnen zu wirtschaftlichen und militärischen Zwecken.

Den analytischen Blick ihrer Arbeitsweise aus der Vogelperspektive setzt Suse Bauer zum Beispiel am Scanner fort. Wie in den großformatigen Prints Landschaft unter Aufsicht (2018) erstellt sie ihre Kompositionen aus ungebranntem Ton als Momentauf- nahme direkt auf dem Flachbett. Das strukturierte Abtasten mithilfe des Scannerlichts eignet sich jedoch nicht als Erkenntniswerkzeug: Die Vorlage hat sich längst weiterentwickelt, die Wirklichkeit des Kunstwerks besteht nur noch in seinem Abbild.

Maik Gräf
Punctum, 2018
42 x 59,4 cm
4 Unikate von 30 unterschiedlichen Motiven
je € 180,-

„Was weiß mein Körper von der Fotografie?“
(Roland Barthes – Die helle Kammer)

Mit einem Schwerpunkt auf Fotografie, Grafik und Typografie hat der Hamburger Künstler Maik Gräf sein Studium der bildenden Kunst 2018 an der HFBK abgeschlossen. Der fotografische Bildzyklus punctum(2018) ist seine Abschlussarbeit und beschäftigt sich mit der Verdichtung von Körpern, Emotionen und Erinnerungen. Die überlagerten Fotografien thematisieren den männlichen Körper im Spiegel einer heteronormativen Welt.
Aus der Arbeit ist diese im Risographiedruckverfahren produzierte Edition entstanden.


Pablo Schlumberger
4 granted, 2018
Keramik-Luftbefeuchter, graviertes Liebesschloss, Ketten, Polyurithane-Guss, Luftentfeuchterbeutel, Schlüsselanhänger, Metallringe, Metallhaken
Maße variabel
5 Unikate
€ 450,-Pablo Schlumberger (1990*, DE) entlehnt seine Kunst einer ästhetischen Dingwelt des Alltags. Dabei benutzt er Materialien und Formen aus handwerklichen Zusammenhängen, wie Basteln und Heimwerken. Mal sind es Regenrinnen, Häkeldeckchen oder übergroße Krüge aus Steinzeug, die er zu Kaffee sprudelnden Brunnen umfunktioniert oder in raumgreifenden Installationen einbaut; mal sind es – wie bei dieser Edition – aus der Mode gekommenen keramische Heizungsluftbefeuchter.

Abbildungen:
1. Shirana Shahbazi, Rigi & some other place, 2014
2. Slavs and Tatars, An Niemand / an Zweien, 2018
3. Slavs and Tatars, An Niemand, 2018
4. Yorgos Sapountzis, In The Moment You Fall Asleep, 2019
5. Anna Lena Grau, Tintenfisch, 2019
6. Suse Bauer: Landschaft unter Aufsicht (Fedora), 2017
7. Maik Gräf, Punctum, 2018
8. Pablo Schlumberger, 4 granted, 2018