Aktuelle Kunsteditionen

Das Kunsthaus Hamburg bietet regelmäßig neue Kunsteditionen an. Die Auswahl an Arbeiten reicht von aufstrebenden bis zu international renommierten Künstler/innen, die in den vergangenen Jahren hier ausgestellt haben und dem Kunsthaus verbunden sind.

Bei Interesse können Sie die Editionen schriftlich via E-Mail bestellen oder sie sich während unserer Öffnungszeiten vor Ort ansehen.

Im Folgenden finden Sie unsere aktuellen Kunsteditionen von: Suse Bauer, Laura Franzmann, Maik Gräf, Anna Lena Grau, Laura Franzmann, Franziska Opel, Yorgos Sapountzi, Jenny Schäfer, Pablo Schlumberger und Shirana Shahbazi.



Shirana Shahbazi

Rigi & some other place, 2014
Direkter Flachdruck, 2 farbig
Bildgröße: 28 x 21 cm
Blattgröße: 29 x 22 cm
Auflage: 33
€ 700,-

Die Edition Rigi & some other place (2014) von Shirana Shahbazi zeigt ein Panorama des Schweizer Bergmassivs Rigi, das sie wie durch einen düsteren Schatten mit einem weiteren, unkenntlichen Motiv überlagert. Die Künstlerin macht sich in ihrer Fotografie zwei elementare Eigenschaften zu eigen, die das fotografische Bild bis heute so faszinierend machen: sowohl die Präzision in der Wiedergabe von Wirklichkeit als auch das Festhalten des vergänglichen Augenblicks, der sich in der Reproduktion zu einer neuen (Bild-)Realität wandelt. Die Künstlerin erstellt Beobachtungen von erhabener, teils romantischer, teils gezähmter Natur, genauso wie von urbanen Stadträumen oder vergessenen Nebenschauplätzen und flüchtigen Momenten. Dafür komponiert sie abstrakte Bildräume, die einerseits von intensiver Farbe und anderseits durch harte Schwarz-Weiß-Kontraste gekennzeichnet sind.

Neben der Edition ist auch Shirana Shahbazis neuer Katalog New Good Luck im Kunsthaus Shop erhältlich. Dieser zeigt eine Reihe neuer Fotoarbeiten, die während ihres dreimonatigen Aufenthaltes in Indien entstanden.


Jenny Schäfer

The unknown, 2019
Auflage: 50 + 5 AP
Mixed Media: Foto im Acrylblock,
Gipsobjekt & „Leckmuschel“
10 cm x 15 cm
€ 160

Diese Edition bieten wir in Kooperation mit Leikela – Fine Art Online an.

Die unbegreifliche und geheimnisvolle Natur des Ozeans hat im Laufe der Geschichte eine Vielzahl von Bildern und Legenden inspiriert. Vor allem die Meeresoberfläche ist eines der häufigsten Themen in der Kunst: Heimat temperamentvoller Naturkräfte und fantastischer Fabelwesen, Inbegriff des Erhabenen und der Hingabe des Menschen an die Schöpfung Gottes, Schauplatz der bildnerischen Reflexion über das Wesen von Wahrnehmung und Darstellung. Der Ozean wurde mit einer Vielzahl von künstlerischen und wissenschaftlichen Mitteln erforscht, letztendlich aber bleibt er unergründlich und wird so zu einer Oberfläche, auf die wir unsere eigenen Ideen und Vorstellungen projizieren. Das 19. Jahrhundert brachte nicht nur die Evolutionstheorie hervor, sondern auch eine neue Dimension der Zeit, die sogenannte „Deep Time“. Tatsächlich ist es nicht verwunderlich, dass die „Deep Time“ recht schnell in der Tiefsee verortet worden ist: Hier muss alles vor Millionen von Jahren begonnen haben, der Ursprung des Lebens muss auf dem unbekannten Meeresboden liegen.

Analog sind die Dimensionen von Zeit und Meer in Jenny Schäfers Multiple The Unknown ineinander verwoben. Diese postapokalyptische Anordnung vereint eine Handvoll Elemente: ein Bild von etwas, das dem Ozean ähnelt, aber anscheinend anderen physikalischen Gesetzmäßigkeiten gehorcht, in verwirrende Richtungen fließt und einen bizarren Horizont bildet, der in einen unbekannten Himmel übergeht. Die Überreste einer unbekannten marinen Lebensform – möglicherweise eines jener „lebenden Fossilien“, von denen die Menschen des 19. Jahrhunderts so fasziniert waren? Eine Plastikschale, gefüllt mit dem süßen Geschmack von Kindheitserinnerungen. Die Objekte sind auf einem Stück glänzendem Stoff platziert, das Assoziationen mit einem Samtkissen weckt, auf dem wertvolle Gegenstände zur Schau gestellt werden. Schäfers Dinge erscheinen nicht wertvoll im monetären Sinne, werden aber sicherlich wertgeschätzt. Anhand der ausgestellten Dinge entspinnt sich ein Geflecht von Assoziationen, das durch die Störung des zunächst Vertrauten – wie dem Thema eines Sonnenuntergangs am Meer – das unheimliche Gefühl eines Déjà-vu, einer Erinnerung an eine unbekannte Zukunft, hervorruft. Die Illusion einer linearen Zeit, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hintereinander reiht, materialisiert sich in Schäfers Werk und wird allzu greifbar.

Text von Magda Grüner


Laura Franzmann

Tissue Dako, 2019
Auflage: 20
Aquarell auf japanischem Washi-Papier und Bambus
39 x 27 cm
€ 250

Diese Edition bieten wir in Kooperation mit Leikela – Fine Art Online an.

Tissue Dako, mit seinem Bambusrahmen und weißen Schnüren für zusätzliche Spannung, ist ein japanischer Drachen, der eine Variante des traditionellen Drachentyps Kaku Dako ist. Ein handbemaltes Motiv auf Washi-Papier bildet die Drachenhaut, die so modelliert ist, dass sie eine Gegenüberstellung verschiedener Einflüsse ermöglicht. Das gemalte Motiv erinnert an die Form eines Gesichts, abstrahiert und verfälscht. Für Laura Franzmann muss das menschliche Gesicht auf seine strukturellen Bestandteile reduziert werden, um es in einer rein ornamentalen Form zu verwenden. Sie arbeitet nicht nur mit UV-Karten, die im Rahmen der Modellierung einer 3D-Humanfigur entwickelt wurden, sondern auch mit anderen schematischen Plänen der menschlichen Gesichts-, Muskel- und Knochenstruktur, die direkt unter unserer Haut verborgen sind. Das Bild erinnert auch an Abdrücke von Gesichtern auf Papier, was eine abstraktere, aber direktere Form des Selbstbildnisses ist. So wie Gesichter in ihren verschiedenen Formen von Muskeln oder einem Programm animiert werden müssen, um sich zu bewegen und von anderen gelesen zu werden, wird der Drachen durch die Luft animiert und auch sein Gesicht beginnt sich zu bewegen. Die Drachenhaut selbst löst die Idee der Haut als eine Barriere auf, die das äußere Erscheinungsbild von ihren fleischigen Bestandteilen trennt oder den menschlichen Körper von den metaphysischen Konzepten trennt. Was du siehst, ist das, was du bekommst.

Text von Marija Petrovic


Suse Bauer

Landschaft unter Aufsicht (Fedora), 2017
Fine Art Print
50 x 70 cm
Auflage 10 + 1 AP, mit Zertifikat
€ 500,-

Die Künstlerin Suse Bauer (*1979, DE) beschäftigt sich mit der Frage, wie die Kunst als Mittlerin zum Skizzieren von Utopien eingesetzt wird und als Scharnier zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit agiert. Bauers Kompositionen entstehen auf Flächen, die von oben, aus der Aufsicht, wie archäologische Felder oder Landkarten angelegt sind. Die Weltsicht aus der vertikalen Perspektive gewinnt heute an Bedeutung, etwa durch die Erschließung des Weltraums mit Satelliten oder durch den Einsatz von Drohnen zu wirtschaftlichen und militärischen Zwecken.

Den analytischen Blick ihrer Arbeitsweise aus der Vogelperspektive setzt Suse Bauer zum Beispiel am Scanner fort. Wie in den großformatigen Prints Landschaft unter Aufsicht (2018) erstellt sie ihre Kompositionen aus ungebranntem Ton als Momentaufnahme direkt auf dem Flachbett. Das strukturierte Abtasten mithilfe des Scannerlichts eignet sich jedoch nicht als Erkenntniswerkzeug: Die Vorlage hat sich längst weiterentwickelt, die Wirklichkeit des Kunstwerks besteht nur noch in seinem Abbild.


Maik Gräf

Punctum, 2018
42 x 59,4 cm
4 Unikate von 30 unterschiedlichen Motiven
je € 180,

„Was weiß mein Körper von der Fotografie?“
(Roland Barthes – Die helle Kammer)

Mit einem Schwerpunkt auf Fotografie, Grafik und Typografie hat der Hamburger Künstler Maik Gräf sein Studium der bildenden Kunst 2018 an der HFBK abgeschlossen. Der fotografische Bildzyklus punctum (2018) ist seine Abschlussarbeit und beschäftigt sich mit der Verdichtung von Körpern, Emotionen und Erinnerungen. Die überlagerten Fotografien thematisieren den männlichen Körper im Spiegel einer heteronormativen Welt. Aus der Arbeit ist diese im Risographiedruckverfahren produzierte Edition entstanden.




Pablo Schlumberger

4 granted, 2018
Keramik-Luftbefeuchter, graviertes Liebesschloss, Ketten, Polyurithane-Guss, Luftentfeuchterbeutel, Schlüsselanhänger, Metallringe, Metallhaken
Maße variabel
5 Unikate
€ 450,-

Pablo Schlumberger (1990*, DE) entlehnt seine Kunst einer ästhetischen Dingwelt des Alltags. Dabei benutzt er Materialien und Formen aus handwerklichen Zusammenhängen, wie Basteln und Heimwerken. Mal sind es Regenrinnen, Häkeldeckchen oder übergroße Krüge aus Steinzeug, die er zu Kaffee sprudelnden Brunnen umfunktioniert oder in raumgreifenden Installationen einbaut; mal sind es – wie bei dieser Edition – aus der Mode gekommenen keramische Heizungsluftbefeuchter.



Anne Vagt

Spielfeld 2G, 2017
Fine Art Print auf Hahnemühle Papier
40 x 54 cm
Auflage: 25
180 €

Anne Vagt (*1978 in Lübeck) ist eine in Hamburg lebende Künstlerin und Illustratorin. Sie studierte an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, die sie 2008 mit einem Diplom in Illustration abschloss. Anne Vagts Arbeiten sind geprägt von einer assoziativen künstlerischen Methode. Ihre Zeichnungen und Collagen zeigen oft eine Aura von Marginalien. Diese scheinbar achtlos verwendeten Worte und Zeichen verweisen jedoch auf tiefgründige künstlerische Dialoge und Auseinandersetzungen. Sie zeugen von einem komplexen und oft hinterfragten (psychischen) Geisteszustand.

2G ist das Bild Nummer sieben der Serie mit dem Titel Spielfelder #2 (2015). Die Serie besteht aus 21 Zeichnungen (2Ato2U, Fineliner und Aquarell, je 31 x 30 cm), auf deren Rückseite Aquarellarbeiten des Bühnenbildners Caspar Neher (1897-1962) gedruckt sind. Spielfelder ist eine geometrische Komposition aus Linien und Farbfeldern, die mit Aquarellfarben gemalt sind. Sie erscheinen wie klassische Brettspiele. Die symmetrischen Formen sind in quadratischen Rahmen organisiert. Die Farben suggerieren die Inhärenz einer bestimmten Spielidee; ein Verweis auf Spielregeln existiert hingegen nicht. Tatsächlich beruht die Serie Spielfelder nicht auf einem bestimmten Spielverlauf, sondern ist intuitiv komponiert, in gewisser Weise auf einer inneren Logik basierend.


Astrid Ehlers

Still better: Solution III, 2019
Kaltnadelradierung auf Büttenpapier, Handgefertigter Buchenholzrahmen ist Teil der Arbeit
33 x 36,5 x 1,5 cm
Auflage: 10
460€

Astrid Ehlers, geboren 1985 in Kaltenkirchen, lebt und arbeitet in Hamburg. 2017 beendete sie ihr Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg (HfBK) in der Klasse von Prof. Matt Mullican mit dem Master of Fine Arts. Astrid Ehlers Arbeiten sind immer Ausdrucks des Interesses, hinter die Oberfläche der Dinge zu blicken. Ihre Zeichnungen, Kaltnadelradierungen und Installationen erzählen von wissenschaftlich-philosophischen Zusammenhängen, die scheinbar profanen Gegenständen anhaften.

Warum versucht unser Verstand grundsätzlich Muster zu erkennen, Kontexte zu erstellen und die Frage zu beantworten, was der Nutzen von etwas sein könnte? Die Rätselhaftigkeit der feinlinigen Kaltnadelradierung konfrontiert den Betrachter mit der eigenen Wahrnehmung. Zwei Stöcke, verbunden mit einem dünnen Sisal-Seil, zeigt die Kaltnadelradierung, die auf Büttenpapier gedruckt ist. Wieso sind die Stöcke aneinandergeknüpft? Das offene Narrativ triggert das Gehirn, eine Lösung für die im Bild formulierte Frage zu finden, einen Erzählstrang zu entdecken, Rückschlüsse zu ziehen. Und bildet damit eine Parallele zu den Entwicklungsschritten des Bewusstseins, die in dem Bestreben angestoßen werden, in allem und jedem einen Sinn finden zu wollen.

Text von Anne Simone Krüger