Carlos León Zambrano – Eine Sekunde zuvor

Das Kunsthaus Hamburg zeigt die erste institutionelle Einzelausstellung von Carlos León Zambrano (*1986 Caracas, Venezuela, lebt und arbeitet in Hamburg). In seinen meist ephemeren und prozessbasierten Installationen beschäftigt sich der HFBK-Absolvent mit offenen Erzählstrukturen im Hinblick auf Konzepte von Erinnerung und Zufluchtsorten sowie Strategien des sozialen Überlebens.

Zambrano interessiert sich für das Versprechen, das sich in bestimmten Objekten, Räumen oder Codes manifestiert und einen verführerischen bzw. magischen Moment zu kreieren vermag. Meist bestehen seine Arbeiten aus minimalen Eingriffen in den Raum, die aber dennoch starke Wirkung auf das Publikum haben. Für das Kunsthaus Hamburg entsteht eine neue Werkgruppe, bestehend aus einer Videoarbeit und Skulpturen, die an der Decke des Ausstellungsraums verteilt platziert werden. Im Laufe der Ausstellungszeit werden diese Objekte durch eine programmierte Zündanlage gesteuert und im Zufallsverfahren nacheinander auf den Hallenboden fallen.

Ein Großteil der Arbeit des Künstlers ist inspiriert von der informellen Sprache – ihren Chiffren und Codes – seines Heimatlandes Venezuela und seiner Geburtsstadt Caracas. In seinem Schaffen verschwimmen die Grenzen zwischen der Welt der Kunst und des Alltags. Mit der Verwendung einfacher, vergänglicher Materialien und ihrem temporären Charakter erinnern Zambranos Arbeiten an die Praxis des Fluxus und thematisieren unterschwellig eine Kritik an der kolonialen, westlichen Perspektive. In teils selbst geschaffenen, teils medial vermittelten Bildern und Objekten bewegt sich die Arbeit auf einem schmalen Grad zwischen Absurdität, Fragilität, schwarzem Humor, Sozialkritik und Empathie.


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