un-sterblich

Vortrag im Rahmen der Ausstellung from creatures to creators

Foto: Angela von Brill


un-sterblich

15. September 2021, 18 Uhr
Jenseits von Raum und Zeit: Überdauern im Endlos-Loop ständiger Gegenwart
Vortrag von Dr. Belinda Grace Gardner, Kunstwissenschaftlerin, Hamburg

Anmeldung: register@kunsthaushamburg.de
Eine Anmeldung zum Vortrag ist aufgrund der begrenzten Teilnehmer*innenzahl erforderlich. Außerdem ist die Vorlage eines negativen Corona-Tests oder Impfnachweises notwendig. Um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen, bitten wir darum, 15 Minuten vor Veranstaltungsbeginn vor Ort zu sein.


Im ständigen ‚Jetzt‘ der digitalen Ära ist Zeit non-linear und vom Körper abgelöst. Die Dominanz der Virtualität über die Aktualität durch eine „Logik des Bildes in Echtzeit“ (Paul Virilio) weicht einer umfassenden Zeitlosigkeit. In dieser Auflösung der Chronologie gehen die Wirklichkeit und die sie vermittelnden und aus ihr hervorgebrachten Bilder fast vollständig ineinander auf. Die endlose Gegenwart im Netz stellt ein Überdauern jenseits von Zeit und Raum in Aussicht. Bis in alle berechenbare Ewigkeit leben wir in den Bildrealitäten weiter, in die wir uns eingeloggt haben, auch wenn wir in der physischen Welt einmal nicht mehr existieren.

Dr. Belinda Grace Gardner, Kunstwissenschaftlerin. Aufgewachsen in den USA und in Deutschland. Studium der Literaturwissenschaft und Linguistik an der Universität Göttingen. Kunstwissenschaftliche Promotion an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig zu Gestaltgebungen des Ephemeren in der Gegenwartskunst. Lebt in Hamburg als freie Kritikerin, Autorin, Hochschuldozentin und Kuratorin. Zahlreiche Buch- und Katalogpublikationen sowie Veröffentlichungen in Print-, Rundfunk- und Online-Medien im Feld der aktuellen Kunst.


from creatures to creators
Saelia Aparicio, Samara Daioub & Zion König, Ed Fornieles, Pakui Hardware, Alfred Kubin, Mary Maggic, Bernard Picart, Tabita Rezaire, Amalia Ulman, Emmanuel Van der Auwera, Steffen Zillig

Der Tod ist beunruhigend dicht an uns herangekommen. Zwangsläufig setzt sich jeder Mensch durch die globale Pandemie mit Sterblichkeit auseinander. Der Wunsch nach langem Leben hat aber nicht erst durch die jetzige Situation eine völlig neue Bedeutung bekommen.

Durch das Paradigma der Wissenschaft ist der Tod kein göttliches Dekret mehr, sondern eher ein technisches Problem. Nach neuesten Erkenntnissen von Biogerontologen lässt sich die Lebensdauer mit Hilfe der richtigen Werkzeuge jetzt schon extrem ausweiten. So erforschen „Biohacker“ Möglichkeiten in den humanen Organismus einzugreifen, um seine Performance zu verbessern, den Körper zu optimieren oder die DNA zu manipulieren. Und auch die Transhumanisten suchen verstärkt biologische Grenzen durch technologischen Einsatz zu überwinden. Zwangsläufig stellt sich die Frage, ob die Entwicklung einer dem Menschen ebenbürtigen Künstlichen Intelligenz (KI) nicht auch das Ende des Homo Sapiens bedeutet.

Die Ausstellung from creatures to creators befasst sich mit dem Menschsein im Hinblick auf unsere zukünftige Existenz. Sie versammelt internationale Künstler*innen, die den Umgang mit dem menschlichen Dasein und den zukünftigen Vorstellungen dessen vielfältig beleuchten und auch den Versuch wagen, über das Endliche hinweg das Übermenschliche weiterzudenken. In der Ausstellung werden unterschiedliche künstlerische Ansätze vereint und unsichtbare Linien molekularer (Bio-)Macht, Selbstoptimierungsprozesse, spirituelle Heilung und die Aussicht auf ewiges Leben vielschichtig diskutiert.


Mit freundlicher Unterstützung von